HyTrust: Erforschung von Datentreuhandmodellen im Wasserstoffkontext

18. Dezember 2023
Bildnachweis: Dieses Bild wurde durch die Anwendung OpenAI ChatGTP erzeugt.

Im November 2023 startete das vom BMBF geförderte Projekt HyTrust - Data Trustee Models as Enabler for Hydrogen Value Chains. In dem Projekt sollen insbesondere die technischen und betriebswirtschaftlichen Bausteine von Datentreuhandmodellen im Wasserstoffkontext erforscht und weiterentwickelt werden. Das Ziel des gemeinsam mit dem Fraunhofer IEE verfolgten Projekts ist die systematische Ausgestaltung eines neutralen Datentreuhandmodells mit einem tragfähigen Geschäftsmodell im Anwendungskontext der Wasserstoffwirtschaft. Im Gespräch mit Florian Thamm, Projekt- und Clustermanager bei HYPOS, stellt Dr. Sebastian Haugk, Projektleiter und Leiter der Gruppe Daten- und Plattformbasierte Wertschöpfung am Fraunhofer IMW, das Projekt vor. Interessierte sind herzlich zum ersten HYPOS-Pitch am 30.01.2024 eingeladen.

Thamm: Welche Rollen spielen Daten und das Teilen von Daten für den Erfolg eines Unternehmens?

Dr. Haugk: Daten sind ein essenzieller Bestandteil der Wertschöpfung von Unternehmen und eine wichtige Ressource zum Aufbau von Wettbewerbsvorteilen. Zum einen bieten Daten eine Informationsgrundlage für fundierte strategische Entscheidungen. Zum anderen sind sie die Grundlage zur Steuerung von Unternehmensprozessen, aber auch zur Interaktion über Unternehmensgrenzen hinaus. Sie ermöglichen zum Beispiel Effizienzsteigerungen, die Koordination der Zusammenarbeit mit Partnern und Kunden sowie die Erschließung von Innovationspotenzialen.

Das Teilen von Daten in Wirtschaft und Forschung ist eine wichtige Voraussetzung, um Lösungen für gesellschaftlich relevante Probleme zu entwickeln und ein wesentlicher Treiber zur Förderung von Innovation und Wettbewerb. In der Praxis sehen wir jedoch, dass trotz der zunehmenden Datenverfügbarkeit, Daten bisher kaum organisationsübergreifend verwertet werden. Das liegt vor allem am mangelnden Vertrauen der Unternehmen sowie der Angst vor Know-How-Verlust und vor Wettbewerbsnachteilen. Als weitere Hürde sind der fehlende organisatorische Rahmen zum sicheren Datenaustausch sowie unklare Geschäftsmodelle zu nennen.

Thamm: Was ist ein Datentreuhandmodell und welche Potenziale bietet es für einen erfolgreichen Markthochlauf für Wasserstoff?

Dr. Haugk: Datentreuhandmodelle gelten als vielversprechender Ansatz, um den organisationsübergreifenden Datenaustausch und die wirtschaftliche Datenverwertung zu fördern. Unter einem Datentreuhänder verstehen wir einen Intermediär, der neutrale Vertrauensinstanz und Datenverwalter ist und für einen fairen Ausgleich der Interessen zwischen Datengebern und Datennutzern eintritt. Aufgabe eines Datentreuhandmodells ist es, einen vertrauenswürdigen Rahmen mit einer geeigneten Infrastruktur für den kontrollierten Austausch von Daten über Unternehmensgrenzen hinweg zu schaffen. Datentreuhandmodelle sollen die Datensouveränität und die individuelle Kontrolle über den Datenaustausch stärken, indem Datengeber z. B. definieren können, welche Daten zu welchem Zweck welchem Akteur in welcher Form zugänglich gemacht werden dürfen.

Für den erfolgreichen Markthochlauf von Wasserstoff bieten Datentreuhandmodelle das Potenzial, die Bereitschaft zum Teilen von Daten zu erhöhen und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren der Wasserstoffindustrie auf Basis des Datenaustauschs zu erleichtern. Durch die Verbesserung des Datenzugangs können beispielsweise Wertschöpfungsketten im Kontext der Wasserstoffwirtschaft besser koordiniert und Innovationspotenziale erschlossen werden. Die Verwertung von Daten in digitalen Lösungen sehen wir als einen zentralen Faktor, wenn es darum geht, welche Rolle Deutschland in der globalen Wasserstoffwirtschaft spielen wird. Datentreuhandmodelle sind ein Element, um die Datenverwertung zu verbessern und in der digitalen Welt des Wasserstoffs nicht den Anschluss zu verlieren.

Thamm: Worum geht es in dem Projekt konkret?

Dr. Haugk: In unserem Projekt erforschen wir, wie Datentreuhand-Systeme in der aufkommenden Wasserstoffwirtschaft für verschiedene Anwendungskontexte genutzt und ausgestaltet werden können. Das Projekt fokussiert die zwei Use Cases Industriepark (Use Case 1) und Wasserstoffmarkt (Use Case 2). Use Case 1 bezieht sich auf die Erschließung von Potenzialen des Datenaustauschs der heterogenen Akteure entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette (z. B. Erzeugung, Speicherung, Rückverstromung, Betankungsinfrastruktur, Transport zu Abnehmern) im Kontext von Industrieparks, u. a. zur Verbesserung der Koordination und Effizienz der einzelnen Prozesse. Use Case 2 befasst sich mit der Rolle von Datentreuhandmodellen beim Aufbau von Wasserstoffmärkten zur Synchronisation bzw. Kopplung von Wasserstoffproduzenten und -abnehmern sowie zum bedarfsgerechten Matching entsprechender Transaktionen auf Basis des Datenaustauschs. Für diese Use Cases wollen wir im Rahmen des Projekts zum einen ein tragfähiges Geschäfts- und Betriebsmodell für Datentreuhänder (Themenfeld 1) entwickeln. Zum anderen adressieren wir technische Aspekte zur Umsetzung des Datentreuhandmodells (Themenfeld 2). Außerdem befassen wir uns mit den rechtlichen Rahmenbedingungen und entsprechenden Anforderungen an Datentreuhänder (Themenfeld 3).

Thamm: Wie kann ich mich im Projekt HyTrust einbringen?

Dr. Haugk: Im ersten Schritt planen wir Interviews mit verschiedenen Stakeholdern aus der Wasserstoffwirtschaft, um den Status Quo des Datenaustauschs, weitere Bedarfe und Anforderungen an ein mögliches Datentreuhandmodell zu ermitteln. Außerdem möchten wir Fokusgruppen bilden, um konkrete Fragestellungen und Lösungsansätze gemeinsam zu diskutieren. Wir freuen uns über jeden Input und Austausch mit Unternehmen aus der H2-Wertschöpfungskette und damit verbundenen Organisationen sowohl im industriellen Kontext als auch im Markt-Kontext.  Alle Akteure, die Interesse haben, unsere Forschung durch ihre Erfahrung und ihr Wissen zu bereichern, sind herzlich eingeladen auf uns zuzukommen. Erster Anlaufpunkt für alle Interessierten ist der HYPOS-Pitch am 30.01.2024, in welchem wir detaillierter über die Thematik und das Projekt informieren.

Thamm: Vielen Dank für das Gespräch. Weitere Informationen sowie die Anmeldung zum HYPOS-Pitch finden Sie hier.

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