Vom Übergangssystem zum H₂-Kernsystem - mitwachsende IT am Beispiel einer realen H₂-Modellregion

24. Februar 2026
Bildnachweis: Exxeta AG

In einer realen H2-Modellregion im mitteldeutschen Raum entsteht derzeit mit Exxetas Beteiligung ein neuer Energiemarkt als Teil des zukünftigen H2-Ökosystems – physische Infrastruktur, Geschäftsmodelle und Regulierung entwickeln sich hier parallel und teilweise unsynchron. Damit dieser Markthochlauf nicht in Excel, Inselprozessen und manueller Abstimmung steckenbleibt, müssen IT-Systeme von Beginn an mitgedacht werden – schlank, fokussiert und rollenspezifisch entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Exxeta zeigt, wie für H2-Planungs- und -Lieferprozesse sowie die Einbeziehung von Herkunftsnachweisen pragmatische Übergangslösungen implementiert werden können, die ohne Mega-Invest auskommen und dennoch regulatorische Anforderungen antizipieren. Ausgehend von dieser Basis wächst ein dediziertes H2-Kernsystem genau dann mit, wenn Markt, Volumina und Regulierung reif sind – evolutionär statt Big Bang, aber von Anfang an digital anschlussfähig! Im Interview erläutert Steffen Herndl, Senior Director & Energy Expert der Exxeta AG, u.a. wer den HYPOS-Pitch auf gar keinen Fall verpassen sollte.

HYPOS: Welche Lösungen bietet Exxeta für den entstehenden Wasserstoffmarkt?

Herndl: Exxeta begleitet seit vielen Jahren die Digitalisierung der europäischen Energie­märkte und überträgt diese Erfahrungen jetzt gezielt auf den Wasserstoffmarkt. Wir unterstützen entlang der gesamten H2-Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über Transport und Speicherung bis hin zu Handel und Abnahme – mit modularen IT-Bausteinen für Fahrplan‑ und Portfoliomanagement, Marktkommunikation, Abrechnungsvorbereitung, Bilanzierung und Reporting. Im Kontext Wasserstoff ergänzen wir diese bestehenden Lösungen gezielt um H2-spezifische Funktionalitäten, zum Beispiel Herkunftsnachweise, Massebilanzierung nach RED II/III und die Einbindung von Zertifizierungssystemen. Wichtig ist uns dabei ein evolutionärer Ansatz: Wir starten mit pragmatischen, gut abgrenzbaren Use Cases in Projekten und Modellregionen und entwickeln daraus schrittweise ein skalierbares, vernetztes H2-IT-Ökosystem.

Steffen Herndl; Bildnachweis: Exxeta AG

HYPOS: Welche Themen erwarten die Teilnehmenden beim HYPOS-Pitch?

Herndl: Die Teilnehmenden bekommen einen sehr praktischen Einblick, wie sich der Hochlauf des Wasserstoffmarkts aus IT-Sicht gestaltet – nicht abstrakt, sondern am Beispiel einer realen H2-Modellregion im mitteldeutschen Raum. Wir sprechen darüber, welche Probleme entstehen, wenn eine H2-Erzeugungsanlage heute starten möchte, aber die Geschäftsmodelle bzgl. des Stromeinkaufs / H2-Verkaufs oder die Regulierungen bzgl. Netzzugang und Einspeisung noch nicht final verabschiedet sind. Daraus entstehen Risiken für Prozesse, Datenqualität und Nachweisführung! Im Fokus steht also, wie man IT-Systeme von Anfang an parallel mitdenkt, statt sie später „irgendwie dranzubauen“.

HYPOS: Sie sprechen in diesem Zusammenhang über ein „wachsendes H2-Kernsystem“. Was ist damit gemeint?

Herndl: Mit einem „wachsenden H2-Kernsystem“ meine ich einen Ansatz, bei dem wir nicht versuchen, den zukünftigen Zielmarkt in einem großen Wurf komplett vorwegzunehmen, sondern ein System gezielt mit Markt, Regulierung und Volumina mitwachsen lassen. Zu Beginn stehen sehr konkrete, überschaubare Use Cases im Vordergrund – etwa die IT-Unterstützung für H2-Planungsprozesse, die Abwicklung erster Lieferbeziehungen oder die Umsetzung erforderlicher Marktkommunikation. Auf dieser Basis entsteht eine schlanke Kernplattform mit klaren Datenmodellen und Schnittstellen, die später neue Rollen, neue Prozesse und neue regulatorische Anforderungen aufnehmen kann, ohne dass alles neu gebaut werden muss. Im Laufe der Zeit parallel zum Markthochlauf entsteht so ein dediziertes H2-Kernsystem, das genau dann größer und komplexer wird, wenn der Markt es erfordert – statt heute überdimensionierte Strukturen zu schaffen, die morgen mglw. nicht mehr passen.

HYPOS: Um welche regulatorischen Anforderungen handelt es sich und warum sollte man sich heute schon damit auseinandersetzen?

Herndl: Die aktuellen Festlegungsverfahren der Bundesnetzagentur – allen voran WasABi für das Wasserstoff‑Ausgleichs‑ und Bilanzierungsgrundmodell sowie WaKandA für Kapazitätsgrundmodell und Abwicklung des Netzzugangs – definieren schon heute zentrale Spielregeln für Rollenmodelle, Bilanzierung, Kapazitätsprodukte und Netzbuchung im zukünftigen H2‑Kernnetz. Gleichzeitig fehlt aber eine eigenständige, konsolidierte Netzzugangsverordnung für Wasserstoff und damit auch ein klarer, kooperativ geregelter Rahmen ähnlich der Kooperationsvereinbarung im Gasbereich. Wer diese Lücke ignoriert und WasABi/WaKandA nur als „ferne Regulierung ab 2028“ betrachtet, riskiert, IT‑Architekturen, Prozesse und Verträge heute so zu bauen, dass sie in wenigen Jahren nicht mehr kompatibel sind. Aus meiner Sicht ist es daher unumgänglich, sich bereits jetzt intensiv mit diesen Festlegungen zu beschäftigen, sie in Modellregionen praktisch zu spiegeln und IT‑Systeme so vorzubereiten, dass sie für das kommende Bilanzierungs‑ und Netzzugangsdesign für Wasserstoff vorbereitet sind.

HYPOS: Die Regulierung der Infrastruktur ist also in vollem Gange. Gleichzeitig ächzen Anbieter unter zu hohen Hürden der RFNBO-Zertifizierung und potenzielle Abnehmer von klimafreundlichem Wasserstoff zögern aufgrund zu hoher Preise. In 5 Stichworten: Was wäre Ihrer Meinung nach ein Lösungsansatz für dieses Dilemma?

Herndl: Die aktuelle Einschätzung zur Entwicklung des H2-Hochlaufs und smarte Maßnahmen sind schwer zu treffen. Was aus meiner Sicht helfen würde, aber zugegebenermaßen eine radikale Kehrtwende wäre, sind folgende Punkte:

  • Regulierung für grünen Wasserstoff temporär lockern bzw. aussetzen, um den Markthochlauf zu beschleunigen.
  • Farb-offene Förderung der Umrüstung auf Wasserstoffnutzung, damit zuerst überhaupt ein liquider Markt entsteht.
  • Erst nach Entstehen eines echten Marktes gezielt grünen CO₂-geminderten/-neutralen Wasserstoff anreizen.
  • Vermeidung von Abregelung und damit verbundene CO₂-Einsparungen bei Nutzung als klimawirksamen Wasserstoff CO₂-Neutralität anerkennen – auch außerhalb der engen RED-II/III-Logik.
  • Regionale H2-Ökosysteme fördern, in denen Infrastruktur, Nachfrage und IT gemeinsam wachsen – immer mit einem klaren, tragfähigen Business Case.

HYPOS: Wer sollte diesen HYPOS-Pitch auf gar keinen Fall verpassen und warum?

Herndl: Auf keinen Fall verpassen sollten diesen Pitch vor allem Energiehändler, H‑Produzenten, Speicherbetreiber und Transporteure, die heute schon darüber nachdenken, wie sie ihre Rolle im entstehenden Wasserstoffmarkt ausfüllen wollen. Für sie ist entscheidend zu verstehen, wie sich Prozesse, Datenflüsse und IT‑Systeme entlang der H₂‑Wertschöpfungskette künftig verändern werden – und wie man den Einstieg so gestaltet, dass man später nicht alles neu bauen muss. Darüber hinaus richtet sich der Pitch an alle, die den Einstieg in die H₂‑Wertschöpfung planen – von Stadtwerken über Industrieunternehmen bis hin zu Infrastrukturbetreibern –, weil wir zeigen, wie ein mitwachsendes H₂‑Kernsystem hilft, Unsicherheit zu reduzieren und Investitionen zukunftssicher aufzustellen.

HYPOS: Vielen Dank für das Gespräch. Weitere Informationen sowie die Anmeldung zum HYPOS-Pitch finden Sie hier.

Teilen auf: 

© 2024 | HYPOS | All Rights Reserved

webdesign by 3W

magnifiercrossmenuchevron-downarrow-left

Hinweis: Dieser Inhalt ist
wird aktuell überarbeitet.

Unser Weiterbildungsangebot ist ab dem 27.11.2025 wieder aufrufbar.
Sollten Sie Fragen haben, können Sie uns jederzeit kontaktieren.
Die Kontaktinformationen finden Sie hier.